{"id":29311,"date":"2024-07-15T08:44:25","date_gmt":"2024-07-15T06:44:25","guid":{"rendered":"https:\/\/stiftadmont.at\/?page_id=29311"},"modified":"2025-02-04T11:34:24","modified_gmt":"2025-02-04T09:34:24","slug":"catechese-sur-saint-benoit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stiftadmont.at\/fr\/haus-der-begegnung-2\/spiritualitaet\/katechese-ueber-den-hl-benedikt\/","title":{"rendered":"Cat\u00e9ch\u00e8se sur saint Beno\u00eet"},"content":{"rendered":"<section id='lightpress__section--block_d959b10c1168a6fde96ffc9376a0bd61' class='align-center lightpress__section--default-section-space lightpress__section lightpress__section--headline'><div class=\"headline__container\">\n            <p class=\"headline text--40 text-medium line line--gold line-above line-middle\">Katechese von Papst Benedikt XVI. \u00fcber die Gestalt des hl. Benedikt von Nursia in der Generalaudienz am 9. April 2008 am Petersplatz<\/p>\n        <p class=\"text-center text-gold text--20 text-medium text--uppercase\"><\/p>\n        <div class=\"spacer--40\"><\/div>\n<\/div>\n\n<\/section>\n\n<section id='lightpress__section--block_75b2d2b4252e56c92af794c4381366ac' class='lightpress__section--default-section-space lightpress__section lightpress__section--content'><div class=\"content__inner\"\n         x-init=\"initContentBlockAnim($el)\">\n        \n    <div class=\"content__grid content__grid\">\n                                            <div class=\"content__box content__box--one-hundred\"\n                 style=\"\">\n                                \n                \n                                            <div class=\"prose\"><p class=\"paragraph-m\"><strong>Liebe Br\u00fcder und Schwestern!<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">Ich m\u00f6chte heute \u00fcber den hl. Benedikt sprechen, den Gr\u00fcnder des westlichen M\u00f6nchtums und au\u00dferdem Patron meines Pontifikats. Ich beginne mit einem Wort des hl. Gregors des Gro\u00dfen, der \u00fcber den hl. Benedikt schreibt: \u201eNicht nur die zahlreichen Wunder des Gottesmannes wurden in der Welt ber\u00fchmt, sondern auch das Wort seiner Lehre strahlte hell auf\u201c (Dial. II, 36). Diese Worte schrieb der gro\u00dfe Papst im Jahr 592; der heilige M\u00f6nch war gerade vor 50 Jahren gestorben und noch lebendig in der Erinnerung der Menschen und vor allem im von ihm gegr\u00fcndeten bl\u00fchenden Orden.<\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">Der hl. Benedikt von Nursia hat mit seinem Leben und Werk einen grundlegenden Einflu\u00df auf die Entwicklung der europ\u00e4ischen Zivilisation und Kultur ausge\u00fcbt. Die wichtigste Quelle \u00fcber sein Leben ist das zweite Buch der Dialoge des hl. Gregor des Gro\u00dfen. Es handelt sich um keine Biographie im klassischen Sinn. Entsprechend der Vorstellungen seiner Zeit wollte er \u00fcber das Vorbild eines konkreten Menschen \u2013 eben des hl. Benedikts \u2013 den Aufstieg zu den Gipfeln der Kontemplation erl\u00e4utern, der jedem verwirklicht werden kann, der sich Gott hingibt. Er gibt uns somit ein Modell des menschlichen Lebens als Aufstieg zum H\u00f6hepunkt der Vollkommenheit. Der hl. Gregor der Gro\u00dfe berichtet in diesem Buch der Dialoge auch von vielen Wundern, die der Heilige gewirkt hatte, und auch hiermit will er nicht einfach etwas Bemerkenswertes erz\u00e4hlen, sondern zeigen, wie Gott mahnend, helfend und auch strafend in die konkreten Situationen des Lebens des Menschen eingreift. Er will zeigen, da\u00df Gott keine ferne Hypothese ist, die an den Ursprung der Welt gestellt ist, sondern da\u00df er im Leben des Menschen, eines jeden Menschen, gegenw\u00e4rtig ist.<\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">Diese Perspektive des \u201eBiographen\u201c erkl\u00e4rt sich auch im Licht des allgemeinen Kontextes seiner Zeit: Zwischen dem 5. und 6. Jahrhundert wurde die Welt von einer schrecklichen Krise der Werte und Institutionen ersch\u00fcttert, welche durch den Zusammenbruch des R\u00f6mischen Reiches, die Invasionen der neuen V\u00f6lker und den Sittenverfall verursacht worden war. Mit der Vorstellung des hl. Benedikts als \u201eleuchtenden Stern\u201c wollte Gregor in dieser furchtbaren Situation gerade hier in dieser Stadt Rom den Ausweg aus der \u201efinsteren Nacht der Geschichte\u201c weisen (vgl. Johannes Paul II., Insegnamenti, II\/1, 1979, S. 1158). In der Tat erwiesen sich das Werk des Heiligen und auf besondere Weise seine Regel als \u00dcberbringer eines echten geistlichen Sauerteigs, der den Lauf der Jahrhunderte weit jenseits der Grenzen seines Vaterlandes und seiner Zeit und das Antlitz Europas \u00e4nderte, indem er nach dem Fall der politischen Einheit, die durch das R\u00f6mische Reich geschaffen worden war, eine neue geistliche und kulturelle Einheit hervorbrachte, jene des christlichen Glaubens, den die V\u00f6lker des Kontinents teilten. Gerade so entstand die Wirklichkeit, die wir \u201eEuropa\u201c nennen.<\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">Die Geburt des hl. Benedikts wird um das Jahr 480 datiert. Er stammte, so sagt der hl. Gregor, \u201eex provincia Nursiae\u201d \u2013 aus der Gegend der Nursia. Seine wohlhabenden Eltern schickten ihn zu seiner Ausbildung f\u00fcr die Studien nach Rom. Er aber blieb nicht lange in der Ewigen Stadt. Als g\u00e4nzlich glaubw\u00fcrdige Erkl\u00e4rung daf\u00fcr deutet Gregor die Tatsache an, da\u00df der junge Benedikt von der Sittenlosigkeit des Lebensstils vieler seiner Mitstudenten angewidert war und nicht deren selbigen Fehlern verfallen wollte. Gott allein wollte er gefallen: \u201esoli Deo placere desiderans\u201d (II Dial., Prol 1). So verlie\u00df Benedikt noch vor dem Abschlu\u00df seiner Studien Rom und zog sich in die Einsamkeit der Berg \u00f6stlich von Rom zur\u00fcck. Nach einem ersten Aufenthalt im Dorf von Effide (dem heutigen Affile), wo er sich f\u00fcr eine gewisse Zeit einer \u201ereligi\u00f6sen Gemeinschaft\u201c von M\u00f6nchen anschlo\u00df, wurde er Einsiedler im nicht fernen Subiaco. Dort lebte er f\u00fcr drei Jahre in v\u00f6lliger Einsamkeit in einer Grotte, die seit dem fr\u00fchen Mittelalter das \u201eHerz\u201c eines Benediktinerklosters bildet, das \u201eSacro Speco\u201c genannt wird. Die Zeit in Subiaco, eine Zeit der Einsamkeit mit Gott, war f\u00fcr Benedikt eine Zeit der Reifung. Dort mu\u00dfte er die drei Grundversuchungen eines jeden Menschen ertragen und \u00fcberwinden: die Versuchung der Selbstbehauptung und des Wunsches, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, die Versuchung der Sinnlichkeit und schlie\u00dflich die Versuchung des Zornes und der Rache. Es war n\u00e4mlich Benedikts \u00dcberzeugung, da\u00df er nur nach dem Sieg \u00fcber diese Versuchungen den anderen ein f\u00fcr ihre N\u00f6te n\u00fctzliches Wort h\u00e4tte sagen k\u00f6nnen. Nachdem er mit seiner Seele in Frieden gekommen war, war er dann dazu imstande, g\u00e4nzlich die Triebe des Ichs zu beherrschen, um so ein Friedensstifter f\u00fcr seine Umgebung zu sein. Erst in dem Moment beschlo\u00df er, seine ersten Kl\u00f6ster im Tal des Anio nahe bei Subiaco zu gr\u00fcnden<\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">Im Jahr 529 verlie\u00df er Subiaco, um sich in Montecassino niederzulassen. Einige haben diesen Wechsel als eine Flucht angesichts der Intrigen eines neidischen \u00f6rtlichen Kirchenmannes erkl\u00e4rt. Dieser Erkl\u00e4rungsversuch hat sich jedoch als wenig \u00fcberzeugend offenbart, da dessen pl\u00f6tzlicher Tod Benedikt nicht zur R\u00fcckkehr veranlasste (II Dial. 8). In Wirklichkeit dr\u00e4ngte sich ihm diese Entscheidung auf, da er in eine neue Phase seiner inneren Reifung und monastischen Erfahrung eingetreten war. Laut Gregor dem Gro\u00dfen nimmt der Auszug vom abgelegenen Tal des Anio hin zum Monte Cassio \u2013 einer Anh\u00f6he, welche die ausgedehnte umliegende Ebene beherrscht und so von weitem sichtbar ist \u2013 eine symbolischen Gestalt an: das monastische Leben der Verborgenheit hat seine Daseinberechtigung, aber ein Kloster hat auch einen \u00f6ffentlichen Zweck im Leben der Kirche und der Gesellschaft, es mu\u00df dem Glauben als Lebenskraft Sichtbarkeit verleihen. Als Benedikt am 21. M\u00e4rz 547 sein irdisches Leben abschlo\u00df, hinterlie\u00df er tats\u00e4chlich mit seiner Regel und der von ihm gegr\u00fcndeten benediktinischen Familie ein Erbe, das in den vergangenen Jahrhunderten fruchtbar war und es heute noch ist.<\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">Im gesamten zweiten Buch der Dialoge erl\u00e4utert Gregor, wie das Leben des hl. Benedikts in eine Atmosph\u00e4re des Gebets eingesenkt war, dem tragenden Fundament seines ganzen Daseins. Ohne Gebet gibt es keine Gotteserfahrung. Die Spiritualit\u00e4t Benedikts aber war keine Innerlichkeit, die sich au\u00dferhalb der Wirklichkeit befand. In der Unruhe und Verwirrung seiner Zeit lebte er unter dem Blick Gottes und verlor gerade so nie die Pflichten des t\u00e4glichen Lebens und den Menschen mit seinen konkreten Bed\u00fcrfnissen aus den Augen. Indem er Gott sah, begriff er die Wirklichkeit des Menschen und seine Sendung. In seiner Regel bestimmt er das monastische Leben als \u201eeine Schule f\u00fcr den Dienst des Herrn\u201c (Prol. 45) und fordert von seinen M\u00f6nchen, da\u00df \u201edem Gottesdienst (das hei\u00dft dem Officium Divinum [Heiligen Dienst] und dem Stundengebet) nichts vorgezogen werden soll\u201c (43,3). Er hebt aber hervor, da\u00df das Gebet an erster Stelle ein H\u00f6ren ist (Prol. 9-11), das dann in konkretes Handeln umgesetzt werden mu\u00df. \u201eNach all diesen Worten erwartet der Herr, da\u00df wir jeden Tag auf seine g\u00f6ttlichen Mahnungen mit unserem Tun antworten\u201c, sagt er (Prol. 35). So wird das Leben des M\u00f6nchs zu einer fruchtbaren Symbiose zwischen Aktion und Kontemplation, \u201edamit in allem Gott verherrlicht werde\u201c (57,9). Im Gegensatz zu einer heute oft gepriesenen leichten und ichbezogenen Selbstverwirklichung ist die erste und unverzichtbare Pflicht des J\u00fcngers des hl. Benedikts die aufrichtige Suche nach Gott (58,7) auf dem vom dem\u00fctigen und gehorsamen Christus abgesteckten Weg (5,13), dessen Liebe nichts vorgezogen werden darf (4,21; 72,11), und gerade auf diese Weise, im Dienst am Anderen, wird er Mann des Dienstes und des Friedens. In der Aus\u00fcbung des Gehorsams, der mit einem von der Liebe beseelten Glauben verwirklicht wird (5,2), erobert der M\u00f6nch die Demut, der die Regel ein ganzes Kapitel widmet (7). Auf diese Weise wird der Mensch immer mehr Christus \u00e4hnlich und gelangt zur wahren Selbstverwirklichung als Gesch\u00f6pf nach dem Bild und als Abbild Gottes.<\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">Dem Gehorsam des J\u00fcngers mu\u00df die Weisheit des Abtes entsprechen, der im Kloster \u201edie Stelle Christi vertritt\u201c (2,2; 63,13). Seine Gestalt, die vor allem im zweiten Kapitel der Regel mit einem Profil von geistlicher Sch\u00f6nheit und anspruchsvollem Einsatz umrissen wird, kann als ein Selbstbildnis Benedikts angesehen werden, da \u2013 wie Gregor der Gro\u00dfe schreibt \u2013 \u201eder heilige Mann gar nicht anders lehren konnte, als er lebte\u201c (Dial. II, 36). Der Abt mu\u00df gleichzeitig ein liebvoller Vater und ein strenger Meister sein (2,24), ein wahrer Erzieher. Unbeugsam gegen\u00fcber den Lastern ist er jedoch dazu berufen, vor allem die liebevolle G\u00fcte des Guten Hirten nachzuahmen und \u201emehr zu helfen als zu herrschen\u201c (64,8), \u201ealles Gute und Heilige mehr durch sein Leben als durch sein Reden sichtbar zu machen\u201c und \u201edie Weisungen Gottes durch sein Beispiel zu veranschaulichen\u201c (2,12). Um verantwortlich entscheiden zu k\u00f6nnen, mu\u00df auch der Abt ein Mann sei, der \u201eden Rat der Br\u00fcder\u201c anh\u00f6rt (3,2), \u201eweil der Herr oft einem J\u00fcngeren offenbart, was das Bessere ist\u201c (3,3). Diese Anordnung macht eine vor fast 15 Jahrhunderten geschriebene Regel \u00fcberraschend modern! Ein Mensch, der ein \u00f6ffentlicher Verantwortungstr\u00e4ger ist, und auch in kleinen Bereichen, mu\u00df immer ebenso ein Mensch sein, der es versteht, hinzuh\u00f6ren, und wei\u00df, aus dem zu lernen, was er h\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph-m\">Benedikt bestimmt die Regel als eine \u201eeinfache Regel als Anfang\u201c (73,8); in Wirklichkeit aber bietet sie nicht nur f\u00fcr die M\u00f6nche n\u00fctzliche Anweisungen, sondern auch f\u00fcr all jene, die auf ihrem Weg zu Gott Leitung suchen. Durch ihr Gleichma\u00df, ihre Menschlichkeit und ihre n\u00fcchterne Unterscheidung zwischen dem Wesentlichen und dem Zweitrangigem im geistlichen Leben konnte sie ihre erhellende Kraft bis heute aufrecht erhalten. Indem Paul VI. am 24. Oktober 1964 den hl. Benedikt zum Patron Europas ausrief, beabsichtigte er, das wunderbare Werk des Heiligen anzuerkennen, das dieser durch die Regel f\u00fcr die Formung der Zivilisation und der europ\u00e4ischen Kultur vollbracht hat. Heute ist Europa \u2013 das gerade aus einem Jahrhundert kommt, das zutiefst von zwei Weltkriegen verletzt worden war, und nach dem Zusammenbruch der gro\u00dfen Ideologien, die sich als tragische Utopien offenbart haben \u2013 auf der Suche nach seiner Identit\u00e4t. Um eine neue und dauerhafte Einheit zu schaffen, sind die politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Instrumente gewi\u00df wichtig; es ist jedoch notwendig, eine ethische und geistliche Erneuerung zu erwecken, die aus den christlichen Wurzeln des Kontinents sch\u00f6pft, andernfalls kann Europa nicht wiedererrichtet werden. Ohne diesen Lebenssaft bleibt der Mensch der Gefahr ausgesetzt, der alten Versuchung zu erliegen, sich selbst erl\u00f6sen zu wollen \u2013 eine Utopie, die auf verschiedene Weise im Europa des 20. Jahrhunderts, wie Papst Johannes Paul II. festgestellt hat, \u201eeinen R\u00fcckschritt ohnegleichen in der gequ\u00e4lten Geschichte der Menschheit\u201c verursacht hat (Insegnamenti, XIII\/1, 1990, S. 58). Auf der Suche nach dem wahren Fortschritt wollen auch wir heute die Regel des hl. Benedikts als ein Licht f\u00fcr unseren Weg h\u00f6ren. Der gro\u00dfe M\u00f6nch bleibt ein wahrer Meister, in dessen Schule wir die Kunst lernen k\u00f6nnen, den wahren Humanismus zu leben.<\/p>\n<\/div>\n                    \n                            <\/div>\n        \n            <\/div>\n<\/div>\n\n<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"parent":29279,"menu_order":6,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[],"class_list":["post-29311","page","type-page","status-publish","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO Premium plugin v26.0 (Yoast SEO v26.8) - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-premium-wordpress\/ -->\n<title>Katechese \u00fcber den hl. 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