Aktuelle Kunst in alten Mauern

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Stift Admont GWK Eckblick © Michael Braunsteiner
Stift Admont GWK Madonna Kaschauer © Michael Braunsteiner
Stift Admont - Museum für Gegenwartskunst 2024 © Thomas Sattler

ASPEKTE DER SAMMLUNG GEGENWARTSKUNST DES STIFTES ADMONT

 

Die Sonderausstellung 2024 bietet repräsentative Einblicke in die jüngste Sammlung des Stiftes Admont. Sie ist der Gegenwartskunst gewidmet und befindet sich seit 1997 im Aufbau. Aktuell besteht sie aus über 1000 Werken von rund 180 überwiegend in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geborener österreichischer KünstlerInnen.

Seit seiner Eröffnung im Jahre 2003 ist das Museum des Stiftes Admont in seiner heutigen Form für den Dialog zwischen alter und aktueller Kunst bekannt. Auch die verschiedenen Museumsabteilungen kommunizieren miteinander. Repräsentativ für diesen Dialog werden Sie beim Betreten des Museums für Gegenwartskunst von einer gotischen Madonna begrüßt: Der Madonna mit Kind aus dem Umfeld von Jakob Kaschauer. Der Grund für diese Überraschung erschließt sich im letzten Raum der Ausstellung – bitte weiterlesen!

Der erste Teil der Ausstellung ist der österreichischen Malerei ab den 1980ern Jahren gewidmet, die ihre Wurzeln in der „Neuen Malerei“ sowie der „Neuen Abstraktion“ hat und sich in verschiedene Richtungen weiterentwickelt hat. Diese Arbeiten u.a. von Siegfried Anzinger, Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Gunter Damisch, Alfred Klinkan, Alois Mosbacher, Hubert Scheibl, Hubert Schmalix, Walter Vopava, Erwin Wurm und Otto Zitko, bilden einen wichtigen Grundstock der Admonter Sammlung Gegenwartskunst.

Der zweite Raum schließt nahtlos an das Thema „Leben, Tod, Auferstehung“ aus der Jubiläumsausstellung 2024 an, die eine Etage tiefer zu sehen ist. Das zentrale Werk ist ein Symbol barocker Lebensfreude: Das rein aus Trash-Teilen bestehende schein-pretiöse „Galadiner“ von Götz Bury.

Stift Admont GWK Madonna Kaschauer © Michael Braunsteiner

Um dieses herum scharen sich Kunstwerke, die sich mit der Vergänglichkeit und der Frage, was uns nach dem Tode erwartet, auseinandersetzen. Hier begegnet man drei Werken aus für die Admonter Sammlung und diese Ausstellung bedeutungsvollen MADE FOR ADMONT-Serien: Darunter ein Gemälde aus der jüngst entstandenen Serie von Nikola Irmer. Es zeigt subtil in das malerische Medium übertragene Tierpräparate aus dem Admonter Naturhistorischen Museum. Weiters eine großformatige Transformation von Josef Stammels Skulptur „Der Tod“ aus der Admonter Stiftsbibliothek in die heutige Bildwelt von Michael Horsky. Und eine wie ein altes Gemälde komponierte Fotoarbeit aus der Serie „Admont“ von Lois Renner, in die neben anderen Werken aus dem Kunsthistorischen Museum auch ein Stammel-Kreuz integriert wurde. Das barocke Originalkreuz des Stiftsbildhauers Josef Stammel hängt direkt daneben. 

Überraschende Interpretationen des Kreuzmotivs finden sich im flambiertem Zuckerkreuz von Christian Eisenberger und im Lego-Kreuz von Manfred Erjautz. Christoph Lingg greift in seinen Fotografien das Thema Umweltzerstörung auf. Schmunzeln bereitet das Präparat eines Schafes von Deborah Sengl, das einen aus eigener Wolle gestrickten Pullover trägt.

Die „MADE FOR ADMONT“-Schiene wurde im Jahre 2000 mit dem ersten „Artist in Residence“, Lois Renner, ins Leben gerufen. Mittlerweile sind hunderte MADE FOR ADMONT-Werke von über 70 Künstlerinnen und Künstlern in der Sammlung vertreten. Sie sind die Ergebnisse spezifischer Verortungsprozesse mit Bezug zur Region, zum Stift Admont, zum Museum und zu dessen Inhalten. Das Medium Fotografie spielt eine zentrale Rolle.

Einem gewichtigen Vertreter dieser Auftragskunst-Schiene ist der dritte Ausstellungsbereich gewidmet: Dem Multimedia-Gesamtkunstwerk „Zeitperlen“ (2005-2012) von Johannes Deutsch. Das Spektrum seiner hier zu erlebenden Arbeiten umfasst ein Paradies Triptychon, ein multimediales Opern- und Musikerlebnis mit den Wiener Philharmonikern, Storyboard-Tableaus sowie eine Partitur. Allen Arbeiten zugrunde liegt die Auseinandersetzung mit den barocken Prachtornaten des Admonter Benediktiners fr. Benno Haan. 

Der vierte Raum ist dem Sehen, dem Nicht-Sehen, dem Scheinbar-Sehen gewidmet. Ein Video von Barbara Eisner-B. und Arbeiten von Adi Brunner, Julie Hayward und Maria Hahnenkamp führen Sie in die weltweite Besonderheit der MADE FOR ADMONT-Schiene: In die Spezial-Sammlung „JENSEITS DES SEHENS – Kunst verbindet Blinde und Sehende“. Bei diesen seit 2002 für die Admonter Sammlung entstehenden Kunstwerken steht die visuelle Wahrnehmung nicht im Vordergrund. Mit höchstem Qualitätsanspruch sind sie für sehbeeinträchtigte, blinde und sehende Menschen konzipiert und initiieren einen Dialog.

 

Stift Admont GWK Peter Unterthurner © Michael Braunsteiner

Brigitte Kowanz konfrontiert uns mit einem in Licht-Morsezeichen übersetzten Text. Heidrun Widmoser und Eva Schlegel verunschärfen die Realität. Tobias Pils malt monochrom. Ruth Schnell generiert in Lichtpunkte zerlegte Wörter mit LED-Stäben. Klaus Dieter Zimmer lässt die Frage offen, ob wir ein Bild oder eine Skulptur sehen. Uwe Bressnik’s scheinbar gemalter Heiliger Benedikt erweist sich als subtile, aus lauter kleinen Kreuzen bestehenden Kreation einer zu Metallstaub zermahlenen Kleinskulptur des Heiligen. Judith Huemers Foto wirkt bunt, fröhlich, verbirgt jedoch bei näherer Betrachtung ein ernstes Thema. Dieter Huber stellt eine malerische Behauptung in den Raum und zeigt das Stift so, wie es nicht wirklich ist. Man darf nicht alles glauben, was man sieht, was man liest!

Der letzte Ausstellungsbereich führt uns wieder zur gotischen Kaschauer-Madonna. Sie wacht nicht nur über die gesamte Ausstellung. Sie ist vor allem das zentrale Thema dieses Bereiches, der mittelalterlichen Madonnen gewidmet ist. Vom französischen Künstler Guillaume Bruère sehen wir rasch hingeworfene Variationen der Admonter Madonna und des Admonter Vesperbildes. Bruère arbeitet schnell und schafft mit energiegeladenem, vibrierendem Strich in kürzester Zeit viele Werke. Er zeichnet in Museumssammlungen. Beide ursprünglich im Stift Admont befindlichen Motive hat er vor den dort befindlichen Originalen in der Alten Galerie am Landesmuseum Joanneum in Graz erschaffen.

Der Südtiroler Peter Unterthurner setzt sich in seinen „Alpenmadonnen“ mit sakralen Skulpturen aus dem Mittelalter auseinander, in dem das Leben schwer, der Glaube tief war. Die fotografische Auswahl aus dieser Serie überschneidet sich teils mit den Motiven von Bruère. Die Kaschauer-Madonna begegnet uns im Original und in zeitgenössischen künstlerischen Interpretationen. Die „Alpenmadonnen“-Motive werden von Unterthurner zudem in eine multimediale Ebene transformiert. 

In einem Sonderraum werden die unterschiedlichen Entwicklungsstränge zweier für die steirische Kunstszene der Nachkriegszeit bedeutender Künstler greifbar: Hannes Schwarz (1926–2014) und Gustav Zankl (*1929).

Weitere Werke aus der Sammlung Gegenwartskunst finden sich eingebunden in den Kontext anderer Museumsbereiche.

Mit Werken von: Siegfried Anzinger, Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Guillaume Bruère, Adi Brunner, Hannelore Demel-Lerchster, Gunter Damisch, Johannes Deutsch, Christian Eisenberger, Manfred Erjautz, Bruno Gironcoli, Maria Hahnenkamp, Julie Hayward, Michael Horsky, Dieter Huber, Lisa Huber, Judith Huemer, Nikola Irmer, Jakob Kaschauer, Alfred Klinkan, Sebastian Köpcke, Brigitte Kowanz, Christoph Lingg, Rudi Molacek, Alois Mosbacher, Tobias Pils, Lois Renner, Arnulf Rainer, Hubert Scheibl, Eva Schlegel, Hubert Schmalix, Ruth Schnell, Hannes Schwarz, Deborah Sengl, Josef Stammel, Peter Unterthurner, Walter Vopava, Volker Weinhold, Franz West, Heidrun Widmoser, Erwin Wurm, Gustav Zankl, Klaus-Dieter Zimmer, Otto Zitko

Stift Admont GWK Gustav Zankl © Michael Braunsteiner
Stift Admont GWK Eckblick © Michael Braunsteiner
Stift Admont GWK Gustav Zankl © Michael Braunsteiner
Stift Admont GWK Götz Bury © Michael Braunsteiner
Stift Admont GWK Hannes Schwarz Gustav Zankl © Michael Braunsteiner
Stift Admont - Museum für Gegenwartskunst 2024 © Thomas Sattler
Stift Admont GWK Madonna Kaschauer © Michael Braunsteiner
Stift Admont GWK Julie Hayward © Michael Braunsteiner
Stift Admont GWK Madonna Kaschauer Guillaume Bruere © Michael Braunsteiner
Stift Admont - Museum für Gegenwartskunst 2024 © Thomas Sattler
Stift Admont - Museum für Gegenwartskunst 2024 © Thomas Sattler
Stift Admont - Museum für Gegenwartskunst 2024 © Thomas Sattler
Stift Admont - Museum für Gegenwartskunst 2024 © Thomas Sattler
Stift Admont - Museum für Gegenwartskunst 2024 © Thomas Sattler
Stift Admont - Museum für Gegenwartskunst 2024 © Thomas Sattler
Stift Admont - Museum für Gegenwartskunst 2024 © Thomas Sattler
Stift Admont - Museum für Gegenwartskunst 2024 © Thomas Sattler
Stift Admont - Museum für Gegenwartskunst 2024 © Thomas Sattler
Stift Admont - Museum für Gegenwartskunst 2024 © Thomas Sattler