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Da aber der Vogelkasten schon voll ist…

Da aber der Vogelkasten schon voll ist… Ein (monastisches) Leben für die Wissenschaft: P. Gabriel Strobl OSB In der 945-jährigen Geschichte des Benediktinerstiftes Admont spielte der Umgang mit Kunst und Wissenschaft stets eine bedeutende Rolle. Zeugnis dafür sind der prachtvolle „Wissensspeicher“, die Stiftsbibliothek und die reichhaltigen Sammlungen aus verschiedenen Wissensgebieten…

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Da aber der Vogelkasten schon voll ist…

Ein (monastisches) Leben für die Wissenschaft: P. Gabriel Strobl OSB

In der 945-jährigen Geschichte des Benediktinerstiftes Admont spielte der Umgang mit Kunst und Wissenschaft stets eine bedeutende Rolle. Zeugnis dafür sind der prachtvolle „Wissensspeicher“, die Stiftsbibliothek und die reichhaltigen Sammlungen aus verschiedenen Wissensgebieten und Epochen. 

Es ist vor allem der Weitsicht vieler Äbte und Prioren zu verdanken, dass sich zahlreiche Mönche dieses bedeutenden Klosters an der steirischen Enns nicht nur mit den gewachsenen Aufgaben, wie Pastoral und Pädagogik, beschäftigten, sondern auch intensiv mit Studium und Wissenschaft auseinandersetzen konnten. Diese visionäre Offenheit der Admonter Benediktiner zieht sich wie ein roter Faden durch die Jahrhunderte der Geschichte. Große und bedeutende Namen finden sich in den Annalen des Klosters: Mönche, die in unterschiedlichsten Bereichen Forschungen betrieben: Theologie, Geschichte, Musik, Philosophie, Orientalistik und eben auch – und sehr stark vertreten – die Naturwissenschaften. Bereits in den hoch- und spätmittelalterlichen Handschriften der Stiftsbibliothek finden sich Beweise für das naturwissenschaftliche Interesse der Mönche, wobei der Fokus freilich immer naturgemäß bei der Theologie lag. 

Ein Name muss in diesem Kontext erwähnt werden: Abt Engelbert (Poetsch), der 1297 bis 1337 der Abtei vorstand und als ein Universalgelehrter des Mittelalters bezeichnet werden kann. Neben einer Vielzahl an Werken verschiedenster Disziplinen verfasste er einen „Tractatus de naturis animalium“, in dem er über das physische Wesen des Menschen als auch der Tiere schrieb.

Das 19. Jahrhundert kann als jene Epoche gesehen werden, in der man sich in Admont intensiv mit den Naturwissenschaften zu beschäftigen begann. 

Prälat Gotthard Kuglmayr, Abt von 1788 bis 1818, gilt als einer der Initiatoren dieser Denkrichtung. Er selbst, den Wissenschaften und der Kunst zugeneigt, hat 1801 und 1802 eine 90-bändige „Xylothek“ erworben, eine forstbotanische Buchsammlung. Er war es auch, der eine reichhaltige Mineralien- und Herbariensammlung für sein Kloster anregte und begründete, die leider beim großen Brand 1865 zugrunde ging. Dieses „Naturalien-Kabinett“ wurde durch zahlreiche und wertvolle archäologische und ethnologische Bestände bestückt. 

Mehrere Patres des Stiftes Admont haben sich im 19. Jahrhundert der Pflege der Wissenschaften gewidmet. Im Bereich der Botanik, Meteorologie und Mineralogie waren dies: P. Gotthard Wissiak (1783-1840), P. Albert von Muchar (1786-1863), P. Ignaz Sommerauer (1792-1854), P. Mauritius ab Angelis (1805-1894), P. Anton Hatzi (1816-1897), P. Theodor Gassner (1804-1876), P. Thassilo Weymayr (1825-1874), P. Blitmund Tschurtschenthaler (1825-1893), u. a.

Der Brand des Klosters und des Marktes Admont, am 27. April 1865, hat viele Sammlungsbestände, gerade auch das erwähnte „Naturalien-Kabinett“, vernichtet. Es sollte an einer bedeutenden Person liegen, es wieder auferstehen zu lassen. 

Biographie

Karl Strobl wurde am 3. November 1846 in Unzmarkt in der österreichischen Steiermark geboren. Der Sohn eines Lederermeisters wuchs allerdings nach dem frühen Tod seiner Mutter bei einer Tante, der Seilermeisterin Josefa Lucas, in der nahe dem Benediktinerstift Admont gelegenen Stadt Rottenmann auf. Josefa Lucas war um eine fundierte Ausbildung ihres Neffen bemüht. Sie schickte daher den Knaben an das Untergymnasium im Benediktinerstift Admont und später in das Obergymnasium im Benediktinerstift Kremsmünster (Oberösterreich). 

Schon als Schüler in Kremsmünster war Karl Strobl für die Naturwissenschaften begeistert und erforschte auf Anregung des Stiftsarztes und Botanikers Dr. Pötsch während der Ferien die Rottenmanner Tauern. Bereits in dieser Zeit begann er mit dem Sammeln und Bestimmen von Pflanzen und Insekten aller Art. Die Matura legte er 1866 in Kremsmünster mit ausgezeichnetem Erfolg ab. 

1866 nahm ihn Prälat Karlmann Hieber, Abt von 1861 bis 1868, als Novize in der Benediktinerabtei Admont auf und gab ihm den Ordensnamen „frater Gabriel“. Nur wenige Monate zuvor war das Kloster durch ein verheerendes Feuer stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Karl Strobl trat in eine Brandruine ein.

Abt Karlmann erkannte sofort die Talente und Interessen des jungen Novizen und betraute den erst 20-jährigen Ordensmann mit der Wiederherstellung des durch den großen Brand völlig zerstörten Naturalienkabinetts. Dieser Aufgabe sollte sich Gabriel Strobl in den kommenden 44 Jahre widmen, mit enormem Fleiß, Akribie und Liebe.

Diese kluge Weitsicht des Abtes Karlmann Hieber kann heute durchaus als bemerkenswert angesehen werden, einerseits aufgrund des jugendlichen Alters seines Schützlings; andererseits hatte der Admonter Konvent damals eine stattliche Zahl an Mitgliedern, sodass man von einem Mangel an vorhandenem Personal nicht ausgehen kann. Trotzdem wurde der junge Gabriel Strobl auserkoren, eine schier nicht zu bewältigende Aufgabe zu erledigen.  

Der plötzliche Tod seines Mentors Abt Karlmann Hieber führte zu einer Abtwahl im Stift Admont, aus der Zeno Müller (reg. 1869 bis 1885) als neuer Oberer des Klosters hervorging. Auch er erkannte und förderte das Talent des jungen Klerikers Gabriel Strobl. 

Selbiges taten auch seine Nachfolger, die Äbte Guido Schenzl (reg. 1886 bis 1890), Kajetan Hoffmann (reg. 1890 bis 1907) und Oswin Schlammadinger (reg. 1907 bis 1935). Der Rückhalt und das Verständnis der Äbte drückten sich an den immer wieder erfolgten Erweiterungen der von Gabriel Strobl benötigten Räumlichkeiten aus. 

In einem Brief an Abt Guido Schenzl bittet P. Gabriel, dass die Stiftstischler einen weiteren Schaukasten für die Tierpräparate herstellen mögen, da „der Vogelkasten schon voll ist“.

Die heute noch in Verwendung stehenden Vitrinen und Schaukästen wurden in der Zeit des Abtes Kajetan angeschafft.  Strobl studierte nach dem einjährigen Noviziat und der einfachen Profess an der theologischen Hauslehranstalt Admont.  Während dieser Studienjahre erforschte er das Gebiet um das Kloster und bestieg eine große Zahl der umliegenden Berggipfel. Die „Stroblscharte“, eine Einsattlung in den Haller Mauern, ist nach ihm benannt. 

Am 5. Oktober 1870 legte er in die Hände des Abtes Zeno Müller seine feierliche Profess ab und band sich so für immer an die Gemeinschaft der Benediktiner von Admont. Am 18. Oktober 1870 wurde der 24-jährige P. Gabriel in Graz zum Priester geweiht. Seine erste heilige Messe, die Primiz, feierte er fünf Tage später in der Stadtpfarrkirche Rottenmann, seiner Heimat. 

Ab 1872 studierte er an der Universität Innsbruck Naturwissenschaft. Dieses Studium schloss er 1876 ab.

Das erste Mal übte er das Amt eines Kustos der naturwissenschaftlichen Sammlung des Stiftes Admont von 1886 bis 1889 aus. Nach dreijähriger Unterbrechung (auswärtige Lehrtätigkeit) wurde er abermals von Abt Kajetan Hoffmann in dieses Amt berufen, das er schließlich bis zu seinem Tod im Jahr 1925 innehatte. Daneben wirkte er stets als Lehrer und später auch als Direktor des Sängerknabeninstituts des Stiftes (bis 1910). 

Die große Zahl inkorporierter Pfarren machte es notwendig, dass die Admonter Benediktiner bis auf den heutigen Tag in der Pastoral tätig sind. Auch P. Gabriel Strobl war von dieser wichtigen Aufgabe nicht ausgenommen, wenngleich ihm (aufgrund seiner Verpflichtungen im Kloster) nur die kleine und nahe dem Stift gelegene Pfarre Weng von 1887 bis 1889 anvertraut war.

1907 ernannte ihn Abt Oswin Schlammadinger zum Subprior, dem Stellvertreter des Priors. Dieses innerklösterliche Amt übte er schließlich bis 1921 aus. 

Lehrtätigkeit 

Bemerkenswert in der Biographie Gabriel Strobls sind seine jahrelangen Absenzen von Admont. Das Stift betreibt bis heute ein Gymnasium (gegründet 1644) und führte daneben einige andere pädagogische Anstalten zur Aus- und Weiterbildung der Klosterjugend. Außerdem waren dem Kloster auch personell immer wieder entferntere Schulen anvertraut, wie die Gymnasien in Graz und Judenburg. Dazu kamen noch Professuren einzelner Mönche an diversen Universitäten. Durch die Pfarrseelsorge in weiter entlegenen Gebieten der Steiermark war eine längere Abwesenheit einzelner Patres vom Kloster keine Seltenheit.

Die Lebensgeschichte Gabriel Strobls hingegen zeigt eine Lehrtätigkeit in zwei Gymnasien, die nicht im Einflussbereich des Stiftes Admont lagen, wenngleich sie vom selben Orden betreut wurden. Insgesamt 13 Jahre(!) lang war P. Gabriel Strobl in diesen beiden Bildungseinrichtungen beschäftigt, während er „daneben“ das Admonter Naturhistorische Museum aufbaute. In beiden Fällen waren es personelle Mängel, die einen Hilferuf nach Admont nötig machten, und die die hiesigen Äbte wohlwollend durch die Person des Naturhistorikers Strobl zu lösen vermochten.  

Von 1876 bis Ende 1880 wirkte P. Gabriel als Professor für Naturgeschichte am Stiftsgymnasium der Benediktiner von Seitenstetten (Niederösterreich). In dieser Zeit wuchs sein Herbarium stetig an, einerseits durch freundschaftliche „Tauschverbindungen“ aber auch durch das Anlegen eines eigenen botanischen Gartens in Seitenstetten. Es fehlte allerdings dafür jegliche finanzielle Unterstützung, doch durch eine Schenkung von 2.000 Samenarten des Regierungsrates Fenzl, Direktor des botanischen Gartens Wien, konnte der Garten bepflanzt werden. Auch diese Arbeit und Pflege lag bei P. Gabriel selbst und unter Mithilfe seines Freundes, des Seitenstettener Benediktiners P. Pius Strasser. 

Von 1880 bis 1886 wirkte Strobl als Professor für Naturgeschichte am Stiftsgymnasium der Benediktiner von Melk (Niederösterreich). Hier benützte er seine Freizeit für die Fertigstellung und Publikation größerer floristischer Werke.

Ein zweites Mal lehrte er von 1889 bis 1892 in Seitenstetten.  

In diesen 13 Jahren Lehrtätigkeit an den beiden Stiftsgymnasien in Niederösterreich sammelte Strobl zahlreiche Exponate für die Bestände in Admont. Seine Ordnungstätigkeit beschränkte sich in diesen Jahren freilich allein auf die Ferienzeit, die er – sofern er nicht auf Reisen war – in Admont verbrachte. 

Reisen und Sammlungstätigkeit 

1871 unternahm Gabriel Strobl seine erste botanische Reise nach Krain, Kroatien und Istrien. 1872 sammelte er in Italien und Sizilien, an der Amalfiküste, dem Vesuv und dem Ätna. 1873/74 führten ihn weitere Reisen nach Sizilien, auf die Nebroden und wieder auf den Ätna zum Studium der dortigen Flora, wobei er von den damals berühmtesten Botanikern Italiens Parlatore, Cesati, Todaro, Tornabene und Mina-Palumbo tatkräftig unterstützt wurde. In seinen Innsbrucker Studienjahren (1872 bis 1876) erwanderte und erforschte er die Berge Tirols und brachte dabei eine reiche mineralogisch-geologische Sammlung nach Admont, die den Grundstock für das werdende Museum bildete. Diese Sammlung zählt 5.000 Mineralien und 1.200 geologische Stufen, wovon 500 auf die Steiermark entfallen. 

Seine Sammeltätigkeit im Bereich der Mineralogie diente auch der Wiederherstellung eines Mineralienkabinetts. Durch Schenkungen, beziehungsweise Sammlungen verschiedenster Admonter Benediktiner, wie P. Thassilo Weymayr und P. Theodor Gassner, und Ankäufe war eine große Menge an Mineralien und geognostischen Stücken zusammengekommen, die Strobl mühevoll bestimmte, ordnete und in großen Schaukästen und Laden deponierte. 

In den Ferien 1878 unternahm er eine Reise nach Südfrankreich und Spanien, in Begleitung des Gymnasialdirektors von Seitenstetten, dem Botaniker P. Udiskalk Sigl. Auf der Heimreise besuchten die beiden Patres die Pariser Weltausstellung. 1879 reiste er ins kroatische Küstenland und nach Dalmatien. Seit 1880 wandte er sein Hauptinteresse der Entomologie zu. Die Insektensammlung Admonts gehört heute zu den größten in Österreich. Sie umfasst alle Insektengruppen. In etwaigen Zahlen: 114.000 Käfer in 27.000 Formen, darunter 2.655 Arten aus der Steiermark. 32.000 palearktische und exotische Schmetterlinge in 7.590 Formen. 25.000 Hautflügler (Bienen, Wespen, Hummeln, etc.) in 6.100 Formen. 42.000 Fliegen in 6.300 Formen, darunter 3.695 Formen aus der Steiermark und eine weitere große Zahl anderer Insektengruppen. 

1896 besuchte Strobl zum ersten und einzigen Mal die transylvanischen Alpen in Siebenbürgen. 1904 reiste er abermals nach Spanien, in Begleitung seines sehr guten Freundes, des Dipterologen und Abtes von Kremsmünster, Leander Czerny. Strobl sammelte in dieser zweimonatigen Studienreise an die 20.000 Käfer und 10.000 Fliegen.

Wie alle anderen Sammelreisen ist diese gut dokumentiert: Strobl und Czerny verließen Österreich am 8. April 1907 und sammelten in der Gegend von Algeciras (bis 22. April), dann weiter südwärts in Tarifa, San Fernande bei Cadiz, an der Sierra Nevada, im Geniltal, der Sierra Morena, in Alicante, Elche und Jativa. Strobl kannte diese Orte bereits von seinen früheren Reisen. Ab 14. Mai reiste er alleine weiter nach Katalonien. Abermals erhielt er Studienmaterial von spanischen Entomologen. Einige Objekte erwarb er später dauerhaft im Tausch gegen steirische Insekten. Andere Studienobjekte kamen nach seinen Forschungen nach Spanien zurück.  

Seine Forschungsergebnisse hat P. Gabriel – wie bei allen seinen Exkursionen – zwei Jahre später publiziert. In diesem Fall zusammen mit Abt Leander Czerny. 

Diese vielen Studien- und Sammlungsreisen, das Ordnen, Sortieren und Bestimmen der Objekte fand einen krönenden Höhepunkt in der Eröffnung des Naturhistorischen Museums im Stift Admont 1906.

Charakter – Krankheit – Tod

Zeitgenossen beschreiben Gabriel Strobl als einen Mann mit aufrechtem Charakter, mit trockenem Humor und einer grundgelegten Bescheidenheit. Er konnte sich wie ein Kind freuen, wenn er einen Käfer oder eine Fliege neu entdeckte oder von einer Sammelfahrt mit reicher Ausbeute heimkehrte. Sein Fleiß und seine Arbeitsmoral waren unverwechselbar. 

Dieser Fleiß, das nächtelange Arbeiten und das gewaltige Forschungspensum dürften jedoch mit ausschlaggebend gewesen sein, dass P. Gabriel in der Nacht auf den 7. September 1910 einen Schlaganfall erlitt, der ihn linksseitig fast vollständig lähmte. Fünfzehn Jahre lang trug er fortan dieses Schicksal gottergeben und in Geduld. Der Schlaganfall hatte sein Gedächtnis zwar nicht eingeschränkt, jedoch verlor er dadurch die Freude an seinen Sammlungen, die er physisch nicht mehr betreuen konnte. Nur in den ersten Jahren seiner Lähmung verlangte er von der ihn betreuenden Krankenschwester, mit dem Rollstuhl ins Museum geführt zu werden. Am 15. März 1925 starb P. Gabriel Strobl im Alter von 79 Jahren. Nach den Begräbnisfeierlichkeiten in der Stiftskirche Admont, denen Abt Oswin Schlammadinger vorstand, wurde sein Leichnam in der Kapitelgruft der Kirche begraben.  

Mitgliedschaften und Ehrungen

  • Ehrenmitglied der Zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien
  • Abonnent und Mitarbeiter an der österreichischen botanischen Zeitschrift
  • Abonnent und Mitarbeiter an der Regensburger „Flora“
  • Abonnent der Wiener entomologischen Zeitung
  • Korrespondierendes Mitglied des Siebenbürger Vereines für Naturwissenschaften
  • Mitglied des Naturwissenschaftlichen Vereines Steiermark
  • und mehrerer ausländischer naturwissenschaftlicher Vereine.
  • Ritterkreuz des Kaiser Franz Josef – Ordens 

 

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