PaterEgon ©ThomasSattler 13 scaled

Ein Wirbelwind erobert das Pfarrhaus

Ein Wirbelwind erobert das Pfarrhaus Seit Pater Egon Homann Pfarrer im Pfarrverband Liesingtal wurde, hat Mautern nicht einen, sondern gleich zwei neue Bewohner. Auf Zehenspitzen schleicht Pater Egon an Finns Körbchen vorbei. Trotz des ehrlichen Bemühens, geräuschlos das Schlafzimmer zu verlassen, wacht der schwarze Labrador auf. Er wirft einen kurzen Blick auf sein Herrl. Nachdem er nichts Unübliches erkennen…

PaterEgon ©ThomasSattler 13 scaled

Ein Wirbelwind erobert das Pfarrhaus

Seit Pater Egon Homann Pfarrer im Pfarrverband Liesingtal wurde, hat Mautern nicht einen, sondern gleich zwei neue Bewohner.

Auf Zehenspitzen schleicht Pater Egon an Finns Körbchen vorbei. Trotz des ehrlichen Bemühens, geräuschlos das Schlafzimmer zu verlassen, wacht der schwarze Labrador auf. Er wirft einen kurzen Blick auf sein Herrl. Nachdem er nichts Unübliches erkennen kann, lässt er den noch schweren Kopf zurück auf die Vorderpfoten sinken. Er weiß, wenn Pater Egon sich um fünf Uhr zu seinem Morgengebet begibt, darf er noch eine ganze Stunde lang weiterdösen. Der Pfarrer genießt die Ruhe des noch jungen Tages, denn ist Finn erst einmal ausgeschlafen, kann er ein richtiger Wirbelwind sein. Vor allem seine Begrüßungen sind äußerst stürmisch, „da muss ich ihn immer ein wenig bremsen“, erzählt Pater Egon lachend.

Die Pfarrgemeinschaft von Mautern scheint die Überschwänglichkeit des Vierbeiners jedoch nicht zu stören. Ganz im Gegenteil. „Wenn ich mit Finn spazieren gehe, erkundigen sich die Leute zuerst, wie es dem Hund geht. Erst dann fragen sie nach meinem Befinden“, erzählt Pater Egon schmunzelnd. All jene, die das Duo nicht beim täglichen Spaziergang treffen, können sich auf Facebook über Finns Leben als Klosterhund auf dem Laufenden halten. Beim Durchsehen seines Online-Profils stechen vor allem die Fotos der vielen Geschenke hervor, die der Vierbeiner regelmäßig erhält. Von Knabberstangen über Frankfurter-Würste bis hin zu Speck reichen die kleinen und großen Aufmerksamkeiten. Kein Wunder, dass Finn allmählich Starallüren entwickelt. Er liebt es, im Mittelpunkt zu stehen und verfügt nicht nur in Mautern, sondern auch in Graz über einen kleinen, erlesenen Fanclub.

Ein Vierbeiner mit Charme

Neben seiner Aufgabe als Pfarrer ist Pater Egon auch Seelsorger. Für die Betreuung von Studenten hat Admonts Benediktinerstift schon vor Jahren zwei Niederlassungen in der Landeshauptstadt gegründet. Eine davon ist das „Haus der Begegnung“. Mehrmals die Woche ist das Duo vor Ort. Auf seine Spaziergänge muss Finn trotzdem nicht verzichten. Der Hilmteich ist eines seiner beliebtesten Ziele. Doch auch die Arbeit in Graz macht dem Vierbeiner Spaß. Im Gemeinschaftsraum der Einrichtung hat Finn einen türkisfärbigen, gepolsterten Sessel zum Lieblingsplatz auserkoren. Wahrscheinlich deshalb, weil er von dort aus den besten Blick auf die gläserne Eingangstür und das Geschehen auf der Straße hat. Nichts entgeht seiner Aufmerksamkeit. Mit wachsamen Augen nimmt er jede Bewegung auf dem Gehweg wahr, der am Haus entlang führt. Betritt ein bekanntes Gesicht das Haus der Begegnung, ist er sogleich zur Stelle. Diese Kontaktfreudigkeit hat ihm sogar einen eigenen Aufgabenbereich beschert: Die Begrüßung. Hat er diese zu seiner eigenen Zufriedenheit erledigt, springt er wieder auf seinen gepolsterten Thron. „Während der Gespräche stört er nicht. Nur von Zeit zu Zeit steht er auf, um sich kraulen zu lassen“, erzählt Pater Egon. Hierbei geht Finn allerdings äußerst wählerisch vor. In seinen zwei Lebensjahren hat er gelernt, die Gestik von Menschen zu deuten. „Begegnet jemand einem großen Hund mit Respekt, hält er sogleich Abstand. Finn spürt, wann Körperkontakt erwünscht ist und wann nicht. Je nachdem holt er sich seine Streicheleinheiten oder lässt es eben bleiben“, weiß sein Herrl. Viele gibt es nicht, die sich seinem Charme entziehen können. Die meisten Menschen hat der Labrador schon bei der ersten Begegnung in die Tasche gesteckt. Sympathie beschert ihm vor allem sein friedliebendes Wesen. Von lautem Bellen h.lt er wenig. Um auf sich aufmerksam zu machen, setzt er lieber auf schmachtende Blicke. „Selbst wenn er au.er sich vor Freude ist, bellt er nicht, sondern hüpft und tobt herum. Da nimmt er den ganzen Raum ein“, erzählt Pater Egon lachend und erklärt, worüber Finn sich am meisten freut. Ein Leckerli? Ein neues Spielzeug? „Nein, am meisten freut er sich, wenn ich nach Hause komme. Und das ist ein wirklich schönes Gefühl.“