Benediktinerstift Admont - Pater Egon Rosarium © Thomas Sattler

Gemeinsam einen guten Weg finden

GEMEINSAM EINEN GUTEN WEG FINDEN 

 

Pater Egon Homann ist seit dreißig Jahren Pfarrer und Seelsorger. Er selbst sieht sich als Vermittler,  denn „Seelsorge bedeutet, für Menschen in jeder Lebenssituation da zu sein und ihnen jene Hilfe anzubieten, die von Gott kommt“, so der Benediktinermönch.

Ora et labora et lege. So lautet die Regel des Heiligen Benedikt, der neben dem Gebet und dem Studium der Heiligen Schrift auch einen Fokus auf die Arbeit gelegt hat. Die daraus abzuleitenden Aufgaben sind in vielen Bereichen angesiedelt: Bildung, Soziales, Kultur und Verwaltung sind nur vier Beispiele jener Themenfelder, denen sich Admonts Benediktinermönche widmen. Pater Egon Homann hat seine Berufung in der Seelsorge gefunden. Seit 2002 betreut er zusätzlich zu seinen fünf Pfarreien auch das „Haus der Begegnung“ und das „Münzgrabenheim“ in Graz. Dort ist er als Seelsorger von Studierenden tätig. Im Interview spricht Pater Egon über den Wandel der Seelsorge, soziales Engagement und geistliche Begleitung.

 

Das Benediktinerstift Admont feiert 2024 sein 950-jähriges Bestehen. Eine Zeitspanne, in der sich nicht nur das Kloster, sondern auch die Seelsorge weiterentwickeln konnte?

Die Seelsorge ist ein Bereich, der in dieser Zeit gewaltig gewachsen ist. In den Anfangsjahren und noch lange danach haben die Mönche das Kloster nicht verlassen. 

Seelsorge konnte somit nur innerhalb der Klostermauern stattfinden. Heute betreuen wir 26 Pfarren, das Haus der Begegnung und das Münzgrabenheim in Graz und sind somit vor Ort bei den Menschen. 

 

Seelsorge passiert also schon lange nicht mehr nur hinter den Klostermauern. Gibt es neben der örtlichen Flexibilität auch inhaltliche Veränderungen?

Seelsorge ist menschlicher geworden. Genauso wie die Beichte. Früher war das Sündenverständnis freilich ein anderes und die Beichte meist eine lange Aufzählung von allem, was nicht klappt. Heute führen Seelsorger Gespräche über das Leben. Wir beleuchten es aus verschiedenen Perspektiven und bringen auch das zur Geltung, was gut läuft. So versuchen wir, gemeinsam einen guten Weg zu finden.

 

Sie betreuen zwei Studenteneinrichtungen. Was umfasst diese Aufgabe?

Das Benediktinerstift Admont betreibt das Haus der Begegnung in Graz, damit junge Menschen benediktinische Spiritualität erleben können. Ich bin vor Ort, um die Gottesdienste zu feiern, um Seelsorge und Beichtgespräche anzubieten. Gute Gespräche ergeben sich auch im Zuge von Vorträgen und gemeinsamen Ausflügen. Diese geistliche Begleitung leiste ich auch im Münzgrabenheim. 

Benediktinerstift Admont - Pater Egon vor Stiftskirche Admont © Thomas Sattler

Sie sind ebenso Pfarrer von fünf Pfarren. Wie funktioniert die Seelsorge, die Sie für die Menschen der Pfarrgemeinde leisten?

Die Seelsorge in den Pfarren befindet sich im Wandel. Früher hat man sich rein auf den Pfarrer, die Ordensschwestern, die Pastoralassistenten verlassen. Heute ist jedes einzelne Mitglied der Pfarrgemeinde entscheidend, damit Seelsorge funktioniert. Wenn viele engagierte Menschen zusammenarbeiten, eröffnet das auch völlig neue Zugänge, Probleme zu lösen. Die Pfarrcaritas ist hierfür das beste Beispiel. Freiwillige helfen Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft und können durch ihren ehrenamtlichen Einsatz wirklich Großes bewirken.

 

Auch Ihr soziales Engagement reicht über die berufliche Tätigkeit hinaus. Wie helfen Sie ehrenamtlich?

Ich bin Mitglied im Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Wir stützen unsere Mitglieder im Glauben und helfen Christen im Heiligen Land, eine Lebensgrundlage zu finden. Neben dem Sammeln von Spenden versuchen wir unterschiedliche Aktionen zu setzen, die Christen ein gesichertes Einkommen bieten sollen. Ich denke, letztendlich gibt es unzählige Möglichkeiten, Gutes zu tun, wenn man bereit ist, über den eigenen Tellerrand zu blicken und die Not anderer zu erkennen. 

 

Brauchen auch Priester manchmal Seelsorge? 

Ja, natürlich. Die Priesterseelsorge ist in der heutigen Zeit extrem wichtig geworden. Ich habe außerhalb des Klosters viele Priester kennengelernt, die vereinsamt sind und ihr Amt niedergelegt haben. Ich bin seit über dreißig Jahren als Pfarrer tätig, doch einsam war ich noch nie. Denn als Benediktiner ist man Teil einer Gemeinschaft, die sich gegenseitig stützt und immer da ist, wenn man jemanden zum Reden braucht. Es gibt immer mehr Aufgaben, die nur außerhalb des Klosters erledigt werden können. Daher ist es schön zu wissen, dass es einen Ort gibt, an den wir immer zurückkehren können. Einen Ort, der unser Zuhause ist.

 

Benediktinerstift Admont - Pater Egon Rosarium © Thomas Sattler
Benediktinerstift Admont - Pater Egon Rosarium © Thomas Sattler
Benediktinerstift Admont - Pater Egon © Thomas Sattler
Benediktinerstift Admont - Pater Egon Stiftskirche Admont © Thomas Sattler
Benediktinerstift Admont - Pater Egon Kräutergarten © Thomas Sattler