950 Jahre lebendiges Kloster

Vorwort Abt Gerhard

Benediktinerstift Admont - Abt Gerhard Hafner © Stefan Leitner

950 Jahre Benediktinerstift Admont

Stift Admont
1074 – 2024

Ich bin demütig stolz (dieses konträre Wortpaar ist genau passend, denn es weist darauf hin, dass es nur mit der Hilfe Gottes möglich war und ist), also: ich bin demütig stolz, dass am Beginn unserer Hausgeschichte eine Frau steht, Hemma von Gurk, ohne die es uns gar nicht geben würde. In der männerdominierenden Weltgeschichte hat Gott für unser Stift Admont eine Stifterin, die Hl. Hemma von Gurk, gesetzt. Aus ihrem großen Reichtum, vor allem an Besitz – auch in der Obersteiermark – hat sie der Kirche ein Riesenstück davon gegeben, damit ein Kloster gegründet werde. Wie wir wissen, hat sie die Gründung Admonts hier auf Erden nicht mehr miterlebt, hat aber im Himmel sicherlich Genugtuung empfunden, um es sehr irdisch auszudrücken, dass 1074 Erzbischof Gebhard von Salzburg ihren Willen umgesetzt hat.

Hemmas Leben war auf der einen Seite sicherlich adelig privilegiert, hatte aber sehr viel an Leid und Kreuz zu bewältigen, das sie aus ihrem tiefen christlichen Glauben heraus, meisterte. Sie hat nicht nur artig, brav und fromm ihre Gebete gesprochen. Aus ihrer tiefen Beziehung zu Gott, durch Gebet und Gottesdienst, wurde sie beispielhaft aktiv für Arme und Benachteiligte ihrer Zeit und hat viel an Besitz der Kirche zur Verfügung gestellt, zur Klostergründung, damit der christliche Glaube in unserem Land vertieft werde, eine Kultivierung stattfinde, Bildung ermöglicht wird und Wirtschaft geschaffen wird, damit die Mönche leben können und die Bevölkerung des Ortes und der Region auch etwas davon haben.

Ich bin demütig stolz, dass dieser rote Faden bis heute so geblieben ist. Seit 1074 lebt hier eine Mönchsgemeinschaft mit der Regel des Hl. Benedikt von Nursia und wir haben die ehrenvolle Aufgabe, diesen christlichen Auftrag im Heute weiterzuführen. Drei Mal am Tag – Früh – Mittags – Abends – stimmen wir im Chorgebet das Lob Gottes an, die wichtigste Aufgabe eines Mönches, der dem benediktinischen Geist gehorcht. In den uns übergebenen Pfarreien vertiefen wir den christlichen Glauben mit den uns anvertrauten Menschen, fördern Kultur und Bildung, gehen äußerst verantwortungsvoll mit der uns gegebenen Wirtschaft um. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein tolles Geschenk, das Gott unserer Gemeinschaft immer wieder neue geistliche Berufungen schenkt und jeder bringt seine eigene Lebens- und Glaubensgeschichte mit ein. Allen Unkenrufen zum Trotz: Gott ruft auch heute noch junge Menschen in eine geistliche Nachfolge, wir wollen Gott auch weiterhin demütig stolz um geistlichen Nachwuchs für unser Haus bitten. Wir vertrauen besonders auch auf unseren Schutzpatron, dem Hl. Blasius.

Schließlich bin ich demütig stolz, dass wir eine prosperierende Wirtschaft erleben, mit dem Wissen: Aus nix kommt nix, es muss sehr viel an Hirnschmalz und Arbeit eingesetzt werden, um eine gutgehende Wirtschaft in der heutigen Zeit erleben zu dürfen. Danke den gewesenen Wirtschaftsdirektoren, und dem seienden Wirtschaftsdirektor und der stiftischen Familie für den beispielhaften Einsatz für unser Haus. Wirtschaft ist bei uns kein Selbstzweck, Wirtschaftskapitalismus keine innere Ausrichtung – wir haben große kostenintensive christliche Aufgaben zu erfüllen (unter anderem Subventionierung der katholischen Privatschule, Aufrechterhaltung des stiftischen Kulturlebens, 26 Pfarren, die zum Stift Admont gehören, das heißt 26 Pfarrkirchen und 26 Pfarrhöfe instand zu halten, viele kirchliche Sozialprojekte, große finanzielle Unterstützung der Mission Österreichs und schließlich gehört Monat für Monat rund 500 Personen, die beim Stift Admont angestellt sind, das Gehalt überwiesen).

In der heutigen säkularisierten Zeit ist es für viele verwunderlich, dass ein kirchlicher Betrieb wirtschaftlich erfolgreich agiert. Es ist allerdings für mich erstaunlich, als Abt erfahren zu müssen, dass auch manche kirchliche Kreise nicht damit zurande kommen, dass man wirtschaftlich erfolgreich sein kann, vielleicht auch deshalb – ich spekuliere – weil sie mit den ihnen anvertrauten Gütern, nicht das gemacht haben, was sie schon längst hätten tun sollen. Talente, die einem anvertraut sind, darf man nicht vergraben, sondern soll man einsetzen (nachzulesen in der Bibel).

Seit 1074 wird, mit Auf und Nieder, das Gotteslob angestimmt, christlich gelebt, wirtschaftlich nachhaltig gearbeitet – es muss, zweifelsohne, vor allem auf dem geistlichen Gebiet noch alles mehr intensiviert werden, es gibt keinen Grund zur Selbstzufriedenheit, sehr wohl aber für Dankbarkeit. Ich bin – wir sind – Gott gegenüber demütig stolz.

 

Viel Kraft und Gottes Segen wünschen der Abt und der Konvent des Stiftes Admont!

Benediktinerstift Admont - Mönche © Stefan Leitner
Benediktinerstift Admont - Abt Gerhard Hafner
Stift Admont - Mönche in der Klosterbibliothek © Stefan Leitner
Stift Admont - Mönche in der Klosterbibliothek © Stefan Leitner
Stift Admont - Mönche Stiftskirche Admont © Stefan Leitner
Stift Admont - Mönche im Kunsthistorischen Museum © Stefan Leitner
Stift Admont - Mönche Stiftskirche Admont © Stefan Leitner
Stift Admont - Mönche in der Klosterbibliothek © Stefan Leitner
Stift Admont - Mönche im Museum © Stefan Leitner
Stift Admont - Mönche im Kunsthistorischen Museum © Stefan Leitner
Stift Admont AbtGerhard@Marcel Peda 6
Stift Admont - Mönche in der Klosterbibliothek © Stefan Leitner
Stift Admont Abt Gerhard 25 Jahre Pfarrer 3
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